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Mehrsprachigkeit zu Hause

Das Gehirn hat Platz für viele Sprachen

Es ist ein altes Vorurteil: Mehrsprachigkeit überfordert Kinder und keine Sprache wird richtig gelernt. Doch die aktuelle Forschung belegt das Gegenteil: Kinder, die in jungen Jahren mehrsprachig aufwachsen, sind geistig flexibler und leistungsfähiger in ihrer Wahrnehmung. Bis zum dritten Lebensjahr werden bei Kindern die verschiedenen Sprachen in nur einer Hirnregion „abgespeichert“. Ihr Gehirn arbeitet somit besonders effektiv. Beruhend auf dem Prinzip der Nachahmung lernen Kinder mehrere Sprachen genauso gut und sicher, wie nur eine Einzige. Deshalb sprechen Forscher auch vom „doppelten Erstsprachenerwerb.“
Doch für eine optimale Sprachentwicklung brauchen Kinder feste Sprachregeln. Für binationale Familien empfiehlt es sich, wenn jeder Elternteil in den ersten 4-5 Lebensjahren des Kindes konstant in seiner Muttersprache spricht, z. B. der Vater Türkisch und die Mutter Deutsch. Auch die Unterteilung in eine Familien- und eine Umgebungssprache fördert die Zweisprachigkeit: Zu Hause wird die Erstsprache der Eltern gepflegt, in Kindergarten und Schule lernen die Kinder Deutsch.

Gute Sprache, schlechte Sprache?

In Deutschland wachsen immer mehr Kinder binational auf, im Jahr 2001 waren es 710.430 Kinder. Doch die Bildungsangebote zur Sprachförderung sind noch dünn gesät: Von den gut 38 000 Schulen in Deutschland bieten nur 400 bilingualen Unterricht an, mehrheitlich in den Sprachen Französisch und Englisch. „Nur die Sprachen, denen ein hohes Prestige zugeschrieben wird, sind im Bildungssystem wie selbstverständlich vertreten.“ bedauert Dr. Anja Leist-Villis, Diplom-Pädagogin und Initiatorin von http://www.zweisprachigkeit.net. Kinder mit Muttersprachen, die in Deutschland ein geringeres Prestige haben, wie z. B. Türkisch oder Griechisch, werden im Bildungssystem kaum gefördert. „So kommt es zu dem Paradox, dass die Sprachkenntnisse von Kindern, die bereits zweisprachig sind, im Bildungssystem nicht weiter gefördert werden und unter Umständen verkümmern.“

Mehrsprachigkeit als Zukunftsressource

Eine entscheidende Entwicklungsstufe bei mehrsprachigen Kindern ist der Schuleintritt. Die Schulsprache Deutsch beginnt zu dominieren und wird zur starken Sprache. Die zweite Muttersprache tritt in den Hintergrund. Doch hier sehen viele Sprachexperten eine Gefahr: Die Verkümmerung einer Muttersprache kann zu Problemen im familiären Umfeld fühlen, z.B. durch Kommunikationsprobleme oder die Distanz zur kulturellen und sprachlichen Herkunft. Auch für die Zukunft verlieren die Kinder so eine wichtige Grundlage: „Zwei oder mehr Sprachen fließend sprechen zu können, das ist im heutigen Europa eine individuelle und gesellschaftliche Ressource. Je mehr Sprachen ein Kind spricht, desto mehr Zugänge zu den einzelnen Ländern eröffnen sich ihm.“ so die Zweisprachigkeitsexpertin Leist-Villis.

Möglichkeiten im Bildungssystem

Als eine Berliner Schule mit hohem türkischsprachigem Schüleranteil Anfang 2006 Deutsch zur Pflichtsprache auf dem Schulhof erhob, war der Protest besonders bei Sprachexperten und Politikern groß. Wie soll die Mehrsprachigkeit von Kindern und Jugendlichen gefördert werden, wenn die Kommunikation der zweiten Muttersprache schulisch unterbunden wird?

Die Heinrich-Wolgast-Schule in Hamburg hat deshalb einen anderen Weg gewählt. Im August 2003 wurde die erste deutsch-türkische Klasse gegründet. Seitdem wird in mehreren Klassen in zwei Sprachen unterrichtet. Auch immer mehr Kindergärten versuchen, Fördermaßnahmen und Konzepte für mehrsprachige Kinder und Jugendliche umzusetzen. In binationalen Kindergärten und Vorschulen hat sich der „Immersionsansatz“ durchgesetzt. Nach der Regel „Eine Person – eine Sprache“ werden die Kinder von den Erzieherinnen in zwei Sprachen gefördert. Aber auch die enge Zusammenarbeit mit Eltern und der Einsatz von individuellen Konzepten für Kinder mit Migrationshintergrund helfen, Sprachbarrieren abzubauen und mehrsprachige Kinder besser zu integrieren und zu fördern. So beteiligt sich der Verband binationaler Familien und Partnerschaften seit 2004 am Programm „Lernende Regionen“, einer Fortbildungsreihe für pädagogische Fachkräfte. Schwerpunkt ist die Sprachförderung von Deutsch und Mehrsprachigkeit im Übergang vom Kindergarten zur Grundschule.
„Tandem-Kurse Deutsch-Türkisch“ für zweisprachige Jugendliche werden ab April 2006 vom Goethe-Institut e.V. Düsseldorf in Zusammenarbeit mit der Universität Duisburg angeboten. Die gezielte Förderung beider Sprachen soll die Berufs- und Zukunftsaussichten der jungen Bürger mit Migrationshintergrund verbessern.

Quelle:

http://www.goethe.de/lhr/prj/mac/msp/de1396470.htm

Die Bedeutung der Familiensprache

In vielen Familien sprechen Mutter und Vater die gleiche Sprache. Diese Sprache ist bei Zuwanderern fast nie Deutsch. Damit ein Kind die Familiensprache lernen kann, ist es gut, zu Hause die Sprache der Familie zu sprechen. So kann das Kind auch eine enge emotionale Verbindung zur Herkunftssprache und Herkunftskultur entwickeln.

Die Herkunftssprache (Erstsprache oder Familiensprache) der Kinder und Erwachsenen vermittelt auch immer kulturelle Informationen, Traditionen und Werte. Familien sollen nicht aufhören, ihre Herkunftssprache zu sprechen, sondern sie zu Hause mit den Kindern und in der Familie anwenden. Für Kinder ist es ganz besonders wichtig, ihre Erstsprache gut zu sprechen. Eine gute sprachliche Basis in der Erstsprache ist die beste Voraussetzung, ein gutes Sprachniveau in anderen Sprachen zu erreichen. In großen Städten gibt es oft bilinguale (zweisprachige) oder sogar trilinguale (dreisprachige) Kitas.

Eine-Person-eine-Sprache

In einigen Familien sprechen Mutter und Vater nicht die gleiche Sprache. Viele Eltern gehen dann nach der Methode eine-Person-eine-Sprache vor. Dabei spricht jeder Elternteil seine eigene Herkunftssprache mit dem Kind. Die Familiensprache, also die Sprache die beide Eltern und das Kind miteinander sprechen, ist manchmal eine der beiden Elternsprachen (Vatersprache oder Muttersprache). Manchmal ist das aber auch eine dritte Sprache, die beide Eltern gut sprechen können.

Wichtige Aspekte bei der mehrsprachigen Erziehung

Wichtig bei der mehrsprachigen Erziehung ist es, dass die Eltern eine emotionale Verbindung zu ihrer Sprache haben. Am besten ist es natürlich, wenn die Mutter oder der Vater in ihrer eigenen Muttersprache (Erstsprache) mit dem Kind sprechen. Wenn es eine Familiensprache gibt, sollte man diese auch immer zu Hause sprechen. Wenn das Kind keine Lust hat, eine Sprache zu sprechen, sollte man es nicht dazu zwingen. Häufig sind das Phasen, die wieder verschwinden. Eltern sollten auch darauf achten, die Sprachen in ihren eigenen Aussagen nicht zu sehr zu mischen. Eltern mit einer positiven Einstellung zur eigenen Sprache sind für die Kinder immer eine sehr gute Motivation, um die Sprache(n) der Eltern zu lernen.

Die Förderung der Erstsprache(n) der Kinder ist sehr wichtig. Die Förderung der Umgebungssprache ist aber genauso wichtig.

Quelle:

http://www.goethe.de/lrn/prj/wnd/idl/msk/fam/deindex.htm

Video:

http://www.kindergesundheit-info.de/themen/entwicklung/entwicklungsschritte/sprachentwicklung/mehrsprachigkeit/

Vídeo:

http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/tagesgespraech/sprachen-sprechen-fremdsprache-lernen100.html

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Fremdsprachen fördern: Ja, aber…

In Zeiten der Globalisierung, so sehen es Eltern oft, sind Fremdsprachenkenntnisse die Basis einer ordentlichen Karriere. Aus entwicklungspsychologischer Sicht bringt die Mehrsprachigkeit im Kindesalter tatsächlich einige Vorteile mit sich: “Multilingual erzogene Kinder lernen später auch andere Fremdsprachen leichter, weil sie schon früh ein Gefühl für die Systematik hinter einer Sprache entwickeln”, sagt Nicola Küpelikilinc, Psychologin und Fachreferentin für Sprachförderung der Stadt Hanau.

Außerdem falle es ihnen leichter, einen anderen Blickwinkel auf Sachverhalte zu bekommen und kreativ auf ihren Alltag zu reagieren. Auch die kommunikative Kompetenz ist laut Küpelikilinc bei mehrsprachig erzogenen Kindern meist ausgeprägter.

Doch nicht jeder Sprachimpuls in der Kindheit fällt auch auf fruchtbaren Boden. Die gebürtige Britin Küpelikilinc hat ihre eigenen Kinder dreisprachig erzogen. Sie ist sich sicher: “Die mehrsprachige Erziehung funktioniert nur dann, wenn das Kind eine emotionale Bindung zu der Sprache aufbauen kann.” Sie rät daher Eltern, die diese Erziehungsmethode wagen wollen, sich im Vorfeld erst einmal damit zu beschäftigen, welche Sprache ihnen selbst am ehesten liegt. Denn wer sich in der Fremdsprache nicht wohlfühle, könne sie nicht authentisch vermitteln.

Emotionale Bindung ist wichtig

Die Expertin ist daher skeptisch, wenn Eltern ihre Kinder aus rein intellektuellen Gründen mehrsprachig erziehen möchten. “Schulische Erfolge sollten nicht der Hauptbeweggrund für die Multilingualität sein. Es ist viel wichtiger, dass die Sprache für das Kind emotional und sozial relevant ist.” So könnten zum Beispiel die Herkunft der Eltern, eine Tante in Frankreich oder eine fremdsprachige Erzieherin eine Basis bilden, durch die Kinder auch kulturell den Bezug zu der Fremdsprache finden.

Der Kontakt mit der neuen Sprache muss nach Auffassung von Küpelikilinc nicht unbedingt schon im Babyalter erfolgen. Man kann mit der mehrsprachigen Erziehung auch erst im Kindergartenalter beginnen. “Das Zeitfenster, in dem ein Kind eine Sprache noch durch bilinguale Erziehung erlernen kann, ist nicht genau festgelegt. Aber ungefähr bis zum zehnten Lebensjahr stehen die Chancen sehr gut”, sagt die Psychologin.

Auch Sabine Devich-Henningsen, Leiterin einer deutsch-englischen Kindertagesstätte in Altenholz bei Kiel, sieht den Einstieg in die Multilingualität entspannt. In Altenholz gibt es in jeder Gruppe einen deutschen und einen englischen Muttersprachler unter den Erziehern, jeder wendet seine Sprache ganz selbstverständlich im Umgang mit den Kindern an. “Die meisten unserer Kinder nehmen die neue Sprache sehr gut an, weil sie eine starke emotionale Bindung zu den Erziehern haben”, sagt Devich-Henningsen.

Sie rät Eltern, die mehrsprachige Erziehung ihrer Kinder ebenfalls wie selbstverständlich in den Alltag zu integrieren. “Es bringt nichts, wenn man zu Kindern sagt ‘Wiederhol das mal’ oder ‘Schau, der Stuhl heißt auf Englisch chair’. Auch der Erwerb der Muttersprache funktioniert ja nicht auf diese Art”, gibt Devich-Henningsen zu bedenken. Die neue Sprache sollte ganz locker immer wieder auftauchen, so dass das Kind sie langsam annehmen kann. “Am besten ist es, wenn eine bestimmte Bezugsperson sich immer nur in der Fremdsprache mit dem Kind unterhält”, sagt Devich-Henningsen, “da muss man dann schon konsequent sein.”

Kinder nicht unter Druck setzen

Nicola Küpelikilinc hält auch andere Methoden für sinnvoll. “Jeder muss da sein eigenes System entwickeln”, sagt die Psychologin. Es sei auch denkbar, dass beispielsweise die spanische Mutter mit ihrem Kind zu Hause immer nur Spanisch spreche, unterwegs aber auf Deutsch umspringe. “Wichtig ist, dass eine Regelmäßigkeit für das Kind und für die Eltern erkennbar ist”, sagt Küpelikilinc.

Die Psychologin warnt vor allzu großen Erwartungen an die mehrsprachige Erziehung. Manchmal reagierten die Kinder zwar schon nach kurzer Zeit auf die neue Sprache, weigerten sich aber, sie selbst aktiv anzuwenden. Küpelikilinc: “Das ist ganz normal. Kinder speichern und sortieren oft sehr lange. Eines Tages, wenn der Gebrauch der Fremdsprache für sie Sinn macht, kommt das Erlernte dann doch noch zum Vorschein.”

ine Sprachverwirrung durch die Multilingualität oder gar eine Verzögerung in der Entwicklung des Kindes müssen Eltern nicht befürchten, sagt Küpelikilinc. “Auch wenn der Kontakt mit der Fremdsprache nur sporadisch, in Early-English-Kursen oder durch fremdsprachige Kindersendungen stattfindet, wird das Kind keinen Schaden nehmen. Auch diese kleinen Impulse können zumindest das Interesse für andere Sprachen fördern.”

Bedenklich sei allerdings, wenn das Kind unter Druck gesetzt werde. “Zu hohe Ansprüche der Eltern führen schnell zu einem regelrechten Lernstress, dem das Kind ausgesetzt wird. Dann kann es sein, dass diese negative Erfahrung mit Fremdsprachen später zu Lernproblemen führt”, warnt die Expertin. Es sei daher besonders wichtig, das Kind durch die Mehrsprachigkeit zu begleiten und es bei Anzeichen von Überforderung schnell zu entlasten.

Quelle:

http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/mehrsprachige-erziehung-mommy-my-knee-tut-weh-a-525052.html

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